Rund um Gore-Tex und andere Membranen kursieren viele Fragen: Muss man das überhaupt imprägnieren? Wird die Jacke dann weniger atmungsaktiv? In diesem Ratgeber: was wirklich behandelt wird, warum das die Atmungsaktivität nicht stört, eine Anleitung mit Wärmeaktivierung und Antworten auf die häufigsten Fragen.
Muss man Gore-Tex überhaupt imprägnieren?
Kurz: Die Membran nicht, das Außengewebe schon. Eine Membranjacke besteht aus mehreren Schichten. Die eigentliche Membran in der Mitte ist dauerhaft wasserdicht und atmungsaktiv. Darüber liegt ein normales Textil-Außengewebe mit einer werkseitigen wasserabweisenden Ausrüstung (DWR). Diese DWR nutzt sich ab, und dann beginnt das Problem:
- KritischDas Außengewebe saugt sich voll
Lässt die DWR nach, perlt Wasser nicht mehr ab. Der Außenstoff saugt sich voll, fachsprachlich "wetting out".
- MittelDie Jacke fühlt sich klamm an
Ein vollgesogenes Außengewebe blockiert die Atmungsaktivität der Membran von außen, Schwitzfeuchtigkeit staut sich.
- OptischDunkle, nasse Flächen
Die durchnässten Stellen werden sichtbar dunkler, obwohl die Membran innen noch dicht ist.
Eine Nachimprägnierung erneuert den wasserabweisenden Film auf dem Außengewebe. Wasser perlt wieder ab, das Gewebe bleibt trocken, und die Membran kann ihre Atmungsaktivität voll nutzen.
Membran oder Außenstoff: was wird behandelt?
Wichtig zu verstehen, damit Sie das Richtige tun: Imprägniert wird immer nur das saugende Außengewebe, nie die Membran selbst und nicht das Innenfutter.
| Schicht / Teil | Behandeln? | Warum |
|---|---|---|
| Außengewebe (Jacke, Schuh, Handschuh) | Ja | Hier sitzt die DWR, die nachlässt und aufgefrischt wird. |
| Membran (Laminat innen) | Nein | Dauerhaft wasserdicht, braucht und bekommt keine Imprägnierung. |
| Innenfutter | Nein | Soll atmungsaktiv bleiben, damit Schwitzfeuchtigkeit entweicht. |
Ob Membranjacke, Funktionsschuh oder Handschuh, das Prinzip ist immer gleich: außen auffrischen, innen unbehandelt lassen. Beachten Sie zusätzlich immer die Pflegehinweise des Herstellers.
Waschen, sprühen, aktivieren
Der wichtigste und am häufigsten vergessene Schritt ist die Wärmeaktivierung am Ende. Erst Wärme richtet die wasserabweisenden Moleküle auf und bringt den Abperleffekt zurück. Die genaue Reihenfolge finden Sie in der Schritt-für-Schritt-Anleitung unten.
Vorher waschen, ohne Weichspüler
Schmutz und Rückstände mindern die Wirkung. Weichspüler legt einen Film auf das Gewebe und verhindert das Haften der Imprägnierung.
Auf das trockene Außengewebe sprühen
Gleichmäßig dünn aufsprühen, bis die Oberfläche leicht feucht schimmert. Nur außen.
Mit Wärme aktivieren
Im Trockner (sofern laut Pflegeetikett erlaubt) oder mit dem Bügeleisen auf niedriger Stufe und einem Tuch dazwischen. Wärme bis ca. 80 °C verstärkt den Abperleffekt deutlich.
Diese 5 Fehler sollten Sie vermeiden
Damit das Auffrischen gelingt:
- KritischDie Wärmeaktivierung auslassen
Ohne Wärmeschritt bleibt der Abperleffekt deutlich schwächer. Trockner oder Bügeleisen (mit Tuch) sind entscheidend.
- KritischWeichspüler benutzen
Weichspüler ruiniert die DWR und verhindert, dass die neue Imprägnierung haftet. Immer ohne waschen.
- MittelDas Innenfutter mitbehandeln
Nur das Außengewebe. Ein imprägniertes Innenfutter kann die Atmungsaktivität stören.
- MittelAuf nassem Gewebe arbeiten
Das Außengewebe sollte trocken oder höchstens leicht feucht sein, damit die Imprägnierung gleichmäßig haftet.
- OptischZu selten auffrischen
Wer wartet, bis das Gewebe dauerhaft durchnässt, riskiert klamme Kleidung. Lieber früh den Wassertropfen-Test machen.
Anleitung Schritt für Schritt
- 01
Nach Pflegeetikett waschen
Waschen Sie die Membranjacke oder die Funktionsschuhe gemäß Pflegehinweis, um Schmutz und alte Rückstände zu entfernen. Verwenden Sie keinen Weichspüler, er beeinträchtigt die wasserabweisende Ausrüstung.
- 02
Trocknen lassen
Lassen Sie das Außengewebe trocknen, bis es sich trocken oder höchstens leicht feucht anfühlt. Auf klatschnassem Stoff haftet die Imprägnierung nicht gleichmäßig.
- 03
Außengewebe gleichmäßig besprühen
Sprühen Sie die Textilimprägnierung aus ca. 20 cm Abstand gleichmäßig auf das Außengewebe, bis ein dünner Nassfilm entsteht. Schultern, Ärmel und bei Schuhen die stark beanspruchten Zonen nicht vergessen. Membran und Innenfutter bleiben unbehandelt.
- 04
Antrocknen lassen
Mindestens 30 Minuten bei Raumtemperatur antrocknen lassen, bis sich der Stoff trocken anfühlt.
- 05
Mit Wärme aktivieren
Aktivieren Sie den Schutz mit Wärme: im Trockner (sofern laut Pflegeetikett erlaubt) oder mit dem Bügeleisen auf niedriger Stufe und einem Tuch dazwischen. Wärme bis ca. 80 °C richtet die wasserabweisenden Moleküle auf und bringt den vollen Abperleffekt.
Häufige Fragen
Q01 Muss man Gore-Tex-Schuhe und -Jacken imprägnieren?
Die Membran selbst nicht, sie ist dauerhaft wasserdicht. Aufgefrischt wird die wasserabweisende Ausrüstung (DWR) auf dem Außengewebe. Lässt diese nach, saugt sich der Außenstoff voll, die Kleidung fühlt sich klamm an und die Atmungsaktivität sinkt. Dann ist eine Nachimprägnierung des Außengewebes sinnvoll.
Q02 Sollte ich neue Gore-Tex-Schuhe vor dem ersten Tragen imprägnieren, ja oder nein?
In der Regel nicht nötig: Neue Funktionsschuhe und -jacken haben ab Werk eine frische DWR. Eine Nachimprägnierung lohnt erst, wenn der Wassertropfen-Test zeigt, dass Wasser nicht mehr sauber abperlt. Beachten Sie immer die Empfehlung des Herstellers.
Q03 Wird Gore-Tex durch das Imprägnieren weniger atmungsaktiv?
Nein, im Gegenteil. Eine intakte wasserabweisende Außenschicht sorgt dafür, dass sich das Außengewebe nicht vollsaugt. Genau ein vollgesogenes Außengewebe würde die Atmungsaktivität von außen blockieren. Wird nur das Außengewebe behandelt und nicht das Innenfutter, bleibt die Membran voll funktionsfähig.
Q04 Wie wasche und imprägniere ich Gore-Tex richtig?
Zuerst nach Pflegeetikett waschen, ohne Weichspüler. Dann trocknen lassen, die Imprägnierung dünn auf das Außengewebe sprühen und zum Schluss mit Wärme aktivieren, im Trockner oder mit dem Bügeleisen auf niedriger Stufe mit einem Tuch dazwischen. Der Wärmeschritt ist entscheidend für den Abperleffekt.
Q05 Warum ist die Wärmeaktivierung so wichtig?
Wärme bis etwa 80 °C richtet die wasserabweisenden Moleküle auf der Faser auf und verankert den Schutz. Ohne diesen Schritt bleibt der Abperleffekt deutlich schwächer. Trockner oder Bügeleisen mit Tuch eignen sich gut, immer im Rahmen dessen, was das Pflegeetikett erlaubt.
Q06 Wie oft muss ich eine Membranjacke nachimprägnieren?
So oft, wie der Abperleffekt nachlässt. Machen Sie regelmäßig den Wassertropfen-Test. Bei häufig getragener und gewaschener Funktionskleidung ist eine Auffrischung oft ein- bis zweimal pro Saison fällig.
